FMR 21

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Symposium

Dass die Welt auf ON springt – Utopien nach dem Stillstand

Die Abteilung Medientheorien an der Kunstuniversität Linz ergänzt FMR 21 um ein hochkarätiges Symposium. Richard Sennett, Gloria Meynen, Thomas Macho, A K Dolven, Adam Merki und weitere Expert:innen aus verschiedenen Feldern werden über Utopien nach dem Stillstand sprechen. Das Symposium findet von 4. bis 6. Juni 2021 in Verschränkung mit der Open University der Kunstuniversität Linz statt und beinhaltet eine Reihe von interessanten Vorträgen und Gesprächen in unmittelbarer Nähe des Festivalgeländes am Urfahraner Marktgelände beim Ars Electronica Center.

Achtung! Geänderter Ort ab Samstag, 5. Juni 2021: Kunstuniversität Linz, Domgasse!

Streaming-Links:

  • Tag 1 (Freitag, 4. Juni 2021): Julia Grillmayr, Christina Gruber, Thomas Macho
  • Tag 2 (Samstag, 5. Juni 2021): A K Dolven, Gaby Hartel, Gascia Ouzounian, Richard Sennett
  • Tag 3 (Sonntag, 6. Juni 2021): Echo Ho, Barbara Marcel, Maren Mayer-Schwieger, Adam Merki, Gloria Meynen, Enrique Tomás, Julian Umhaller

Die Zahl der Gäste vor Ort ist wegen der gültigen Corona-Verordnung leider beschränkt.
Registrierungspflicht: Bitte eine Email mit dem Betreff: REGISTRIERUNG // Symposium “Utopien”
an maren.mayer-schwieger@ufg.at senden. Erforderliche Angaben zur Registrierung: Name, E-Mail-Adresse, Telefon, Datum und Programmpunkttitel.


Die Kunstuniversität Linz ist verpflichtet, die Daten bis 14 Tage nach der Veranstaltung zu speichern, sie werden anschließend vernichtet. Während der Veranstaltung gilt FFP2-Maskenpflicht, die Abstands- sowie die 3G-Regelung (= Nachweis der Impfung, eines PCR-/Antigen-Tests oder der Genesung).

Freitag, 4. Juni 2021

14:00 – 15:30
Julia Grillmayr, Christina Gruber: Dino-Henne-Ei (Lecture Performance)
Abstract und Biografien

16:00 – 17:30
Thomas Macho: Utopien nach dem Stillstand – Stillstand der Utopien? (Keynote)
Abstract und Biografie

Samstag, 5. Juni 2021

12:00 – 12:22
Screening mit A K Dolven: Ja as long as I can (Vinyl, New York 2012/Berlin Edition Block 2013, in englischer Sprache)
Abstract und Biografie

13:30 – 14:15
A K Dolven im Gespräch mit Gaby Hartel: A Conversation on the Way. On Words and Sounds and Thoughts in A K Dolven’s Public Art (Gespräch, in englischer Sprache)
Abstract und Biografien

15:00 – 16:30
Richard Sennett und Gascia Ouzounian im Gespräch mit Gaby Hartel: Focus and Echo – on Art and Sound in Public Spaces (Gespräch, in englischer Sprache)
Abstract und Biografien

Sonntag, 6. Juni 2021

13:00 – 14:30
Adam Merki, Julian Umhaller, Enrique Tomás & Echo Ho: Isolated Soundscapes: The Ear and the Speaker (Gespräch)
Abstract und Biografien

14:45 – 16:00
Barbara Marcel, Maren Mayer-Schwieger: Andere Wälder (Gespräch/Video, in englischer und deutscher Sprache)
Abstract und Biografien

16:30 – 17:15
Gaby Hartel, Gloria Meynen: Nach dem Stillstand (Gespräch)
Abstract und Biografien

Die Entschleunigung tauchte als Gegenkultur und Protestform mit der Erdölkrise, den autofreien Sonntagen und dem ersten Bericht des Club of Rome um 1973 auf. Seitdem hat jedes Jahrzehnt die Langsamkeit für sich neu entdeckt. Die achtziger Jahre begegnen dem Fastfood mit Slow Food, den sterbenden Industrien mit ersten Debatten zum bedingungslosen Grundeinkommen. Die neunziger Jahre suchen die Langsamkeit im Imperativ der Nachhaltigkeit. Die Zweitausender beerdigen die Concorde mit Flugscham und degrowth. Auf jede Beschleunigung folgt ein Slowdown, jede Globalisierung findet ihr Bloomsbury.

Fast 50 Jahre lang konnten wir träumen, in den Wäldern zu leben: dem Kapitalismus durch Eigenzeit, Achtsamkeit und Langsamkeit von der Schippe zu springen. Man schlug sein Zelt neben Thoreaus Blockhütte auf und schien der Zivilisation entkommen. Die Entschleunigung war Teil einer alternativen Lebensform: eine politische und ökonomische Entscheidung. Die Pandemie hat dagegen den Stillstand über Nacht im Weltmaßstab durchgespielt. Überall ist Walden Pond: Eremit:innen soweit das Bildschirmauge reicht. Seitdem wir nun über ein Jahr in den Wohnzimmern leben, jede:r auf der eigenen Insel, doch nur durch eine Zimmerwand vom Nachbarstrand entfernt, ist der Rückzug keine Option des Widerstands mehr. Während Thoreaus gleichnamiger Eremit mit Birken und Eichhörnchen sprach, auf den Gast wartet, der nie kam, treffen wir auf unseren Bildschirmen zahllose Gäste. Die digitalen Prothesen der Vernetzung (Zoom, Webex, MS Teams, …) haben den Stillstand globalisiert und die Gesichter in jeder Blockhütte blassblau erleuchtet. Seit mehr als einem Jahr hält die Welt den Atem an und filmt sich live dabei. Der gegenwärtige Stillstand geht nicht mit einer vollständigen Isolation und Entnetzung einher, sondern mit noch radikaleren Formen der Vernetzung. Die Globalisierung des Stillstands wird die Gegenkulturen der Entschleunigung, ihre Protest- und Ausdrucksformen, umschreiben und verändern. Was kommt also nach dem Leben in den Wäldern?

Die Taktfrequenz ist heruntergefahren, der Schlafmodus aktiviert. Standby, wie viele Monate? Zwischen Stillstand und Beschleunigung leben wir in einer Zwischenzeit. Weder wachend noch schlafend warten wir, dass die Welt auf on springt. Was ist der Sound und die Ästhetik der Isolation, wie klingt das Jetzt der langen Dauer? Was gab es für Formen des aktiven Stillstands, in welchen Kontexten sind sie entstanden, haben sie die Sicht auf die Arbeit, die Einstellungen zu Mobilität und Globalisierung nachhaltig verändert? Zwischen dem 4. und 6. Juni 2021 befragen und erforschen Künstler:innen, Philosoph:innen, Musiker:innen und Kulturwissenschaftler:innen in der Open University der Kunstuniversität Linz heterogene Formen der Langsamkeit, Protestformen der langen Weile. Dabei soll dem gegenwärtigen Stillstand der Pläne und Gewissheiten mit neuen Erzählungen geantwortet werden: Wie könnte oder sollte die Welt nach dem globalen Stillstand aussehen? Welche Utopien treten an die Stelle der Entschleunigung – welche Orte warten hinter den Wäldern? Welche Gewissheiten müssen wir einreißen, welche Wälder verlassen, dass die Welt auf ON springt.

Konzept: Gloria Meynen, Abteilung Medientheorien an der Kunstuniversität Linz.
Planung und Organisation: Timo Feilen, Gaby Hartel, Maren Mayer-Schwieger, Adam Merki, Gloria Meynen, Julian Umhaller.